F95 Kulttrikot - Galerie der Trikots von Fortuna Düsseldorf
F95 Kulttrikot - Galerie der Trikots von Fortuna Düsseldorf

Trikotsammlung Extra: Bands als Trikotsponsoren

Bands Teil 3

"Es ist schon ein geiles Gefühl, wenn eine Mannschaft mit dem Bandnamen auf der Brust aufläuft." Doktor Renz, Fettes Brot

2002/03 - DJ Hell (Techno, House, Electro Punk)

 

TSV Altenmarkt, Bayern

Kreisklasse Kreis Inn/Salzach

Team: Erste Mannschaft

 

Helmut Geier aka DJ Hell ist seit 2002 Sponsor des bayerischen Clubs TSV Altenmarkt - und ein Ende ist nicht in Sicht. Auch 2018, im mittlerweile 16. Jahr, setzt Hell seine Unterstützung fort. Da hält weltweit nur Arsenal London mit, die seit 2006 von einer Fluggesellschaft gesponsert werden (Vertrag noch bis 2024). Darum erhält Hell hiermit von kulttrikot.de die Auszeichnung:

 

"Längster Trikotsponsor einer Fußballmannschaft weltweit!"

 

DJ Hell ist in Altenmarkt aufgewachsen, hat hier selbst Fußball gespielt und schaut auch immer wieder mal bei den Spielen des TSV vorbei. Seine Karriere begann in den 80ern mit Platten auflegen in den heimatlichen Dorfdiskos. Mit der Zeit stieg Hell zu einem der weltweit gefragtesten DJs auf, wurde erfolgreicher Produzent und Inhaber eines Plattenlabels. Seine musikalischen Vorbilder sind die Düsseldorfer Bands Neu! und Kraftwerk.

 

2001/02 - Die Toten Hosen (Punk Rock)

 

Fortuna Düsseldorf 1895, Nordrhein-Westfalen

Liga: Regionalliga Nord

Team: Erste Mannschaft (2 Jahre), Zweite Mannschaft (3 Jahre), Jugendteams (5 Jahre)

 

Die Bilder zeigen das erste und das letzte Totenkopftrikot aus der Hosen-Zeit. Dazwischen liegen 6 Jahre, 16 Varianten und über 30.000 verkaufte Trikots. Die komplette Sammlung findet ihr hier. Die Toten Hosen sind mit 15 Millionen verkauften Tonträgern Deutschlands erfolgreichste Band.

 

2000/01 - Böhse Onkelz (Hard Rock)

 

Eintracht Frankfurt, Hessen

Rugby Regionalliga

Team: Erste Mannschaft

 

"Wir wissen, dass unsere Wandlung in der Öffentlichkeit auf Skepsis und Misstrauen stößt. Aber wir haben aus unseren Fehlern gelernt und hoffen auf eine faire Chance." Böhse Onkelz, 1993

 

"Die Typen werden angemacht für Texte, die sie mal vor 20 Jahren geschrieben haben, obwohl sie jetzt schon seit langer Zeit dagegen kämpfen. Ich denke, irgendwie sollte man das auch mal akzeptieren." Campino, 2003

 

"Die Band hat ein riesiges Potenzial, Jugendliche davon abzubringen rechts zu sein oder rechts zu werden." Sammy Amara, Broilers, 2014

 

 "Es gab bei den Böhsen Onkelz einen Bruch von einer rechten Band zu einer anti-rechten Band." Rechtsrockexperte Klaus Farin, 2017

 

Rugby ist seit 1923 eine Unterabteilung beim Fußballverein Eintracht Frankfurt. In der Saison 2000/01 sponserte die Rockband Böhse Onkelz als Fans des Sports und des Vereins die Trikots für die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. Im Nachhinein jedoch gab sich der Eintracht-Abteilungsleiter gegenüber der Rhein-Main-Zeitung zerknirscht: "Das war ein unüberlegter Schritt, wir sind etwas blauäugig an die Sache herangegangen.“

 

Auslöser war ein in die gleiche Zeit fallender Rechtsstreit der Band mit der taz. Das Berliner Blatt hat die Onkelz in einem Artikel als „berüchtigte rechtsradikale Band“ betitelte. Hintergrund: Ihre ersten Lieder Anfang der 80er Jahre wurden als gewaltverherrlichend und ausländerfeindlich eingestuft. Das erste Album landete auf dem Index. In der Folge distanzierten sich die Onkelz vom Rechtsextremismus. Sie schalteten in den 90ern sogar Anzeigen gegen rechte Gewalt und organsierten Rock-gegen-Rechts-Festivals. Dennoch nahm ein Teil der Öffentlichkeit der Band den Gesinnungswandel nicht ab, was sich nicht zuletzt auch im eingangs zitierten taz-Artikel zeigte. Einer der Kritikpunkte blieb die halbherzige Distanzierung von den früheren Liedern („Die Texte waren eine Dummheit“).

 

Erst in den Nullerjahren bröckelte die Front der Kritiker. Peter Maffay, Campino, Marek Lieberberg - alle in der Vergangenheit Onkelz-kritisch - gestanden ein, sich in der Einschätzung der Band geirrt zu haben. Selbst die taz erwähnte in einem Artikel aus Mai 2001, dass mehrere Mitarbeitende der Redaktion die Läuterung der BO für überzeugend hielten. Derweil haben Kritik und Boykotte dem Erfolg der Band nichts anhaben können. Im Gegenteil. Nicht zuletzt das Underdog-Image befeuerte die Entwicklung der Onkelz zu einer der kommerziell erfolgreichsten Bands Deutschlands:

  • 10 Nr. 1 Alben
  • 10 Millionen verkaufte Tonträger
  • 17 Gold- und 11 Platin Alben
  • "Viva Los Tios" in den ersten 48 Stunden 300.000 Mal verkauft
  • 400.000 Fans an 2 Wochenenden in Hockenheim 2015

1997/98 - Fettes Brot (Hip Hop, Rap)

 

SuS Waldenau, Schleswig-Holstein

Hamburg Bezirksliga West

Team: Erste Mannschaft

 

Die drei Rapper von Fettes Brot gehören neben Country-Legende Larry Schuba in Deutschland zu den Pionieren des Band-Trikotsponsorings. Bezirksligist SuS Waldenau kam über die Freundschaft eines Spielers mit Fettes Brot-Sänger König Boris in den Genuss des Bandnamens auf den grünen Trikots. Später sponserte die Band auch ein Jugendteam des Clubs.

 

Fettes Brot (250.000 verkaufte Tonträger) ist eine der erfolgreichsten Rap-Gruppen Deutschlands. Sie hatten sogar einen Stadionhit. Als der Bundesligaspieler Patrick Owomoyela 2005 von einem anderen Club umworben wurde, dichteten die Fans "Lasst die Finger von Owomoyela" zur Melodie der Hitsingle "Emanuela".

1994/95 - Larry Schuba & Western Union (Country)

 

SV Grün Weiß Union Bestensee, Brandenburg

Kreisliga Dahmeland

Team: Erste Mannschaft

 

"Union Bestensee verliert gegen Chemie Premnitz 0:2. Die Bestenseer trugen auf dem Trikot den Aufdruck der Country-Band "Larry Schuba & Western Union - Das Original", aber die Musik machten die Chemiker..." - Berliner Zeitung, 12.06.1995

 

Damit ist es offiziell: Larry Schuba & Western Union (über 20 veröffentlichte Alben) war die erste Band Deutschlands, die auf einem Fußballtrikot verewigt wurde - 6 Jahre vor den Toten Hosen.

 

Dabei ging die Initiative nicht mal von der Band aus. Larry Schuba, seit seinem 17. Lebensjahr erfolgreicher Country-Musiker und Gründer von Western Union, wollte seinem Freund, dem Bestensee-Manager Joachim Wiemann, bei der Rettung des finanziell angeschlagenen Vereins helfen. Er gab zugunsten des Clubs ein Konzert und verzichtete auf jedwede Gage. Zum Dank beflockten die Bestenseer einen Trikotsatz mit dem Bandnamen. So wurde Larry Schuba mit Western Union eher ungeplant zum Pionier des Band-Trikotsponsorings. Die Unioner trugen die Trikots vier Spielzeiten bis zur Saison 98/99.